èeská verze stránekdeutsch versionenglish version

FUSSBALLSCHULEMINI-EMCAMPSTALENTKALENDERFANSHOP
HOME DRUCK SITE MAP

AKTUELLES

15.09.2008

Kilins Blick nach vorn: Wir wollen Typen ausbilden, keine Mannschaften


Anfang September ist die Deutsch-Tschechische Fußballschule in ihr neues Projekt gestartet. Im mittlerweile sechsten Jahr ihres Bestehens soll der Aktionsradius weiter ausgedehnt werden: Im Verbund mit verschiedenen Partnervereinen im gesamten bayerisch-tschechischen Grenzraum wird die DTFS künftig gemeinsame Trainings und Camps anbieten. Dabei werden die Spieler gesichtet, die in einem „Team Europa" bei hochklassigen Turnieren und Freundschaftsspielen zu Einsatz kommen werden. Außerdem will sich das Projekt international noch weiter öffnen: In den Ferien wird es Drei-Nationen-Camps geben, bei denen die Kinder aus Deutschland und Tschechien dann gemeinsam mit einem europäischen Spitzen-Klub trainieren.

 

Fragen dazu an den sportlichen Leiter der DTFS, Robert Kilin.

 

Herr Kilin, die DTFS startet mit Rückenwind in die neue Saison. Schließlich war 2007/2008 das bislang erfolgreichste Jahr...

Robert Kilin: Natürlich haben wir in der letzten Saison bei Testspielen und Turnieren einige sehr gute Ergebnisse erreicht: ganz klar den Sieg bei der MINI-EM, Platz 2 beim McDonald's Cup in Delmenhorst, beides Turniere mit europäischer Spitzenbesetzung. Solche Erfolge sind gute Werbung und bringen uns viel: Für die Jahrgänge 98, 99 und 2000 bekommen wir jetzt noch mehr interessante Einladungen aus dem In- und Ausland. Außerdem haben wieder einige unserer Spieler den Sprung zu Bundesliga-Klubs und Profi-Vereinen geschafft. Unsere Arbeit trägt Früchte, und das freut uns natürlich.

 

Daran orientieren sich dann wahrscheinlich auch die Pläne für 2009...

Robert Kilin: Die Ausbildung des einzelnen Spielers wird auf jeden Fall weiter im Mittelpunkt stehen. Fördern, fördern, fördern - bleibt das Motto der DTFS. Allerdings wird es jetzt natürlich etwas anders laufen. Wir werden unsere Auswahlspieler nicht mehr so oft sehen. Vier Trainings pro Woche mit einem Kind wird es nicht mehr geben. Die Basisausbildung der Spieler liegt bei den Trainern vor Ort in unseren Partnervereinen. Wir bieten zusätzliche Trainings und Einsätze bei unseren Aktionen an.

 

Welche Vereine werden mit der DTFS zusammenarbeiten und Spieler für das „Team Europa" stellen?

Robert Kilin: Das Interesse am neuen Projekt ist bei den Vereinen sehr groß. Aktuell führen wir konkrete Gespräche mit sechs Vereinen. Dabei konzentrieren wir uns auf deutscher Seite vor allem auf Ostbayern mit Jahn Regensburg und der SpVgg Weiden. In Tschechien gehören die Erstligisten Viktoria Pilsen und SK Dynamo Budìjovice sowie der FC Pisek zu unseren Partnern.

 

Welche Kriterien entscheiden über eine Zusammenarbeit?

Robert Kilin: Für uns ist entscheidend, dass es den Vereinen in erster Linie um die Entwicklung des einzelnen Spielers geht. Er muss die Möglichkeit haben, sich optimal zu entwickeln und das unter besten Bedingungen. Die Nachwuchstalente dürfen nicht im Ligabetrieb an die Wand gefahren werden, nur damit Verein oder Trainer Erfolge vorzuweisen haben. Genauso falsch ist es, einen guten Spieler um jeden Preis im Verein halten zu wollen. Vor allem, wenn er anderswo bessere Bedingungen hat, um weiter zu kommen. Nur der lokale Kampf bringt den Talenten vor Ort auf die Dauer nichts. Und weil viele Vereine das nicht erkennen, werden sie auch in Zukunft nicht zum Profifußball aufschließen können. Dafür reicht die Qualität der Ausbildung im Nachwuchsbereich einfach nicht aus.

 

Das heißt, die Vereine blicken bei der Nachwuchsarbeit zu wenig über den eigenen Tellerrand hinaus?

Robert Kilin: Als wir bei der MINI-EM in diesem Jahr zum ersten Mal ein Trainerseminar angeboten haben, war die Resonanz insgesamt sehr gut: Die Teilnehmer kamen aus ganz Deutschland und auch aus dem Ausland. Aus unserer Region gab es aber nur zwei Anmeldungen. Das zeigt, wie wenig Interesse hier am Erfahrungsaustausch mit anderen Jugendtrainern besteht. Gerade auf internationaler Ebene kann man dabei viel mitnehmen. Deshalb werden wir zum Beispiel auch im neuen Projekt unsere Trainerhospitationen fortsetzen.

 

Durch die Kooperation mit den Partnervereinen steht Ihnen beim Team Europa in Zukunft ein deutlich größerer Spielerpool zur Verfügung. Ausschlag gebend für eine Nominierung ist der jeweilige Leistungsstand des Einzelnen. Damit gibt es natürlich auch kein klassisches Mannschaftsgefüge mehr. Bringt das für die Spieler tatsächlich Vorteile?

Robert Kilin: Natürlich ist das eine neue Situation für die Kinder. Die Konkurrenz innerhalb der Jahrgänge wird deutlich größer. Außerdem müssen sie sich neu integrieren, werden mit einer anderen Sprache und mit immer anderen Spielweisen konfrontiert. Das mag für das jeweilige Mannschaftsergebnis nicht immer optimal sein, für die langfristige Entwicklung der Jungs ist es aber in jedem Fall positiv. Wir wollen keine Mannschaften ausbilden, sondern Typen - selbstbewusst, locker und zugleich konzentriert. Die keine Angst haben vor großen Namen und sich nicht verunsichern lassen, wenn der beste Freund mal nicht mit auf dem Platz steht.

 

Bis zur vergangenen Saison haben Sie für die SpVgg Selbitz gespielt, mittlerweile sitzen Sie auf der Trainerbank. Können Sie diesem Posten und Ihrer Tätigkeit bei der DTFS ohne Probleme gleichermaßen gerecht werden?

Robert Kilin: Da gibt es keine Schwierigkeiten. Mit der DTFS trainieren wir immer nachmittags. In Selbitz beginnen die Trainings erst um 18h30. Und wo ich bis vor kurzem als Spieler aktiv war, bin ich jetzt eben als Trainer mit dabei. Vom zeitlichen Aufwand her ist das kein großer Unterschied. Nur die längeren Auslandsfahrten, wie zum Beispiel nach Odessa, kann ich nicht mehr selbst begleiten. Aber dafür hat jede Mannschaft einen Jahrgangstrainer, wie Markus Häßler, Andi Lang, František Nedbalý oder Harald Rupprecht, der seit Jahren für die DTFS arbeitet und zum Beispiel in die Ukraine mitgefahren ist.

 

Die DTFS hat sich für die neue Saison viel Neues vorgenommen. Welche Wünsche haben Sie als sportlicher Leiter für das neue Projekt?

Robert Kilin: Mittlerweile haben wir mit der DTFS ein Niveau erreicht, das schwer zu halten sein wird: Wir betreiben Ausbildung für höchstes fußballerisches Niveau. Von daher hoffe ich sehr, dass wir das Tempo der vergangenen Monate in die neue Saison mitnehmen können. Und ich wünsche mir, dass noch mehr Vereine bei der Nachwuchsförderung auf die Entwicklungsmöglichkeiten des einzelnen Spielers achten und nicht in erster Linie auf die Ergebnisse in der Liga, den persönlichen Erfolg des Trainers oder das lokale Vereinsimage.

 

Bild: Bis 2011 der sportliche Denker und Lenker der DTFS, Robert Kilin.




zurück






Gefördert mit Mitteln der EU aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung:
Investition in Ihre Zukunft.
© Deutsch-Tschechische Fußballschule, T: +49 9283 898284, E: info@dtfs.de