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AKTUELLES

16.05.2009

Frankfurter Allgemeine Zeitung: Stars in XXS


Die Frankfurter Allgemeine Zeitung veröffentlicht am heutigen Samstag eine große Bilder-Reportage über die MINI-EM. Das Turnier besuchte Michael Horeni, der für die FAZ u.a. über die deutsche Nationalmannschaft berichtet. Den kompletten Artikel mit den Fotos erhalten Sie in der Druckausgabe am Kiosk.

 

Stars  in XXS

Die Kleinen verwandeln sich bei der Mini-EM zu Repräsentanten der europäischen Fußballmarken. Von Michael Horeni

Der AC Milan liebt den tadellosen Auftritt. Die Italiener kommen selbstverständlich mit dem Flugzeug. Die Belastung für die Spieler soll sich schließlich in Grenzen halten. Von Berlin dann noch knapp vier Stunden bis zu den Turnierorten? Das lässt sich machen. Der AC Mailand reist schließlich mit einem Tross von sechs Betreuern an. Sieben Triumphe in der Champions League sind für den erfolgreichsten Klub der Welt eine andauernde Verpflichtung - auch wenn Milan nur irgendwo im deutsch-tschechischen Grenzgebiet auftritt und die Hauptdarsteller nicht Kaká, Ronaldinho und Maldini heißen. Sondern Stefano, Federico und Roberto und erst elf Jahre sind. Der Delegationsleiter legt das graue Jackett mit dem Vereinswappen während der beiden Tage bei der Mini-Europameisterschaft in Franzensbad und Rehau nicht ab. Selbst in der Sonne lockert der Signore mit den silbernen Schläfen nicht seine Krawatte. Sie sitzt perfekt. Gestatten, der AC Milan.

Aus ganz Europa sind die Vorzeigeklubs angereist: Milan, Manchester United, Ajax Amsterdam, FC Porto, FC Bayern, Lokomotive Moskau, Roter Stern Belgrad, Dinamo Zagreb, HSV, Legia Warschau. Die Kinder tragen die Trikots der Stars. Die Ausrüstung ist wie aus der Champions League. Nur in XXS. Und so wollen sich die Klubs auf der großen Kinderbühne auch präsentieren: ein Verein, eine Idee, ein Stil. Von den Superstars bis zu den Kleinen.

 

Die großen Marken und die kleinen Kinder. Wie geht das zusammen? Im Star-Outfit verwandeln sie sich zu Repräsentanten der großen europäischen Fußballunternehmen. Und sie wissen sich auch so zu benehmen, dass sie den hohen Imageansprüchen gerecht werden. Die Kinder sind auffallend diszipliniert und höflich während der zwei Tage. Es wird kaum getobt und geschrien. Nach dem Essen räumen die Jungs den Tisch ab. Man sieht kein einziges grobes Foul von Manchester, Milan, Ajax oder den Bayern. Auch Fehlentscheidungen der Schiedsrichter werden tapfer ertragen. Bei der Nationalhymne legen sie sich wie ihre Vorbilder den Arm um die Schulter. Die Kinder haben gelernt, was sie dem Trikot schuldig sind, das sie selbst in der Schule schon zu Stars macht.

 

Aber wie lange? Die Jugendtrainer wissen, dass von der Eliteauswahl bei der Mini-EM allenfalls nur ein paar Kinderkarrieren zum Profifußball führen. Aber von nichts träumen die Kleinen in den Trikots von Cristiano Ronaldo, Rooney und Ribéry sehnlicher. Und viele Eltern auch.

 

Luca Morin ist der Trainer der U11 des AC Mailand, und er erlebt in diesen Tagen auch die Grenzen der Kleinsten in der simulierten großen Fußball-Welt. "Unsere Kinder sind ein bisschen verängstigt. Sie werden von ihren Eltern sehr stark behütet. Sie merken jetzt, dass die anderen aggressiver an die Sache rangehen", sagt der Trainer angesichts der Zielstrebigkeit und der Entschlossenheit, mit denen Teams aus dem Osten und Südosten Europas den westlichen Klubs begegnen. "Unsere Kinder haben sich am Anfang noch ein bisschen zurückgehalten. Es ist aber eine sehr gute Erfahrung, dass sie jetzt aus sich herauskommen und ihre Ängste loslassen", sagt Morin am zweiten Spieltag. Die Mini-EM ist für die Mailänder Kinder das erste Turnier im Ausland überhaupt. "Wir haben uns vorher nicht getraut, weil sie noch nicht so weit waren. Wir wollten uns auch nicht blamieren und unserem Namen schaden", sagt Morin. Im Spiel um Platz drei verlieren sie 0:2 gegen Manchester. Damit kann man nach Mailand zurückkommen.

 

Das soziale Lernen ist den großen Klubs wichtig. Das betonen sie. Manchester United hat seinen Jungs für die Mini-EM ein Faltblatt mit historischen, kulturellen und sportlichen Fakten über Deutschland und Tschechien zusammengestellt. Die Engländer sind die Einzigen, die sich abends auch auf Tschechisch bedanken können. Jedes Kind hat ein kleines Heft bekommen, in dem Verhaltensregeln stehen ("viel trinken, nicht in die Sonne, respektvoller Umgang") und in dem sie auch Tagebuch führen sollen über ihre persönlichen Erfahrungen im Ausland und über die verschiedenen Spielsysteme bei der EM und ihre Rolle darin.

Eamon Mulvey ist der "Skill Development Coach" für das Alter von sechs bis zwölf bei Manchester. Er macht das seit sieben Jahren und nennt diese Zeit "die goldenen Jahre des Lernens". Manchester setzt Spezialisten für jede Altersstufe ein, und Mulvey schwärmt von der Stabilität und der langfristigen Arbeit des Klubs auch in der Jugendausbildung. "Sir Alex ist selbst bei der Arbeit mit Neunjährigen involviert", sagt Mulvey über den Einfluss von Teamchef Ferguson. Die Jugendarbeit, aus der Stars wie Beckham, Giggs und Scholes hervorgegangen sind, ist das Fundament des Weltklubs. "Das Spiel ist heute sehr schnell und athletisch geworden", sagt Mulvey. Diese Entwicklung ist auch bei der U11 angekommen. Die Jungs sollen lernen, den Ball und das Spiel auf jene Weise zu kontrollieren, wie es Fergusons Team in Europa macht. "Sie sollen keine Angst haben, etwas zu wagen. Und auf lange Sicht sollen sie keine Angst haben, vor 75 000 schreienden Zuschauern zu spielen, sondern sich dabei wohl fühlen", sagt Mulvey.

 

Die kleinen Portugiesen wollen nur spielen. Und das sollen sie auch. "Wir sind hier, um unsere Qualität zu zeigen", sagt Trainer Pepijn Lijnders. Aber der FC Porto verliert oft. Die Kinder sind körperlich schwach. Aber technisch exzellent. "Gewinnen ist nicht schlecht. Aber wenn man nur gewinnt, spielt man nie gegen sein Limit. Es ist wichtiger, individuelle Qualität zu gewinnen als Spiele", sagt der holländische Trainer. Er wurde vor zwei Jahren vom PSV Eindhoven nach Porto geholt, um das komplette Ausbildungssystem bis zur U19 zu verändern. Lijnders redet nur von "taktischen Impulsen". Aber es ist viel mehr. Es ist nicht weniger als ein millionenschweres Geschäftsmodell, das er für Porto umsetzen soll. Und das Modell geht so: "Wir müssen spezielle Spieler schaffen - technisch kreativ mit einer besonderen Individualität", sagt er. "Ich glaube an ,education and information'. Da gibt es kein Limit. Wenn man auf die Prinzipien Erziehung und Information vertraut, dann schafft man sich selbst Millionen. Jeder in Europa will technisch kreative Spieler. Man kann sie für zwanzig Millionen Euro verkaufen." Lijnders träumt von Champions-League-Siegern in seinem Team. Bei der Mini-EM wird der FC Porto Neunter. Aber die Konkurrenz ist von der individuellen Qualität beeindruckt.

 

Die Idee der Mini-EM hat nichts mit dem großen Geld zu tun. Sie ist ein idealistisches Projekt, getragen von der in Rehau ansässigen Deutsch-Tschechischen Fußballschule. Vor sechs Jahren, zur EU-Erweiterung, wurde das Turnier ins Leben gerufen und ist seitdem gewachsen wie Europa. Der Coach von Manchester nennt es "ein großartiges Turnier in entspannter Atmosphäre mit den besten Mannschaften der Welt". Unterstützung erhält das verbindende Projekt von der Europäischen Union, der Uefa sowie den nationalen Fußballverbänden. DFB-Präsident Theo Zwanziger würdigt die interkulturelle Arbeit der deutsch-tschechischen Fußballschule, die "seit Jahren schon die Kleinsten auf dem Weg in ein neues Europa begleitet". Im Herbst wurde die Fußballschule vom Verkehrsminister mit dem Deutschen Einheitspreis ausgezeichnet. Im Juni empfängt Bundespräsident Horst Köhler die von Gerald Prell geführte Fußballschule und sein "Team Europa" im Schloss Bellevue. In der Mannschaft spielen deutsche, tschechische und Kinder anderer Nationen zusammen. Im Vergleich mit den Großklubs arbeitet die Fußballschule unter spartanischen Bedingungen, mit erstaunlichem Erfolg. Im vergangenen Jahr gewannen die Jungs die Mini-EM. Diesmal siegten sie gegen Bayern, Porto und den HSV und gewannen die B-Runde des Turniers.

 

Die Systemfrage. Sie hat auch das Kleinfeld längst erreicht. Andreas Wölkhammer ist der Trainer der U11 des FC Bayern. Er kennt das Thema sehr genau. Er kam vor rund sieben Jahren als Student zum deutschen Rekordmeister. Er ist Realschullehrer für Sport und Wirtschaft. Bei den Bayern ist er ehrenamtlich und liebt seinen Job. "Man sieht, was die Jungs für eine Freude haben." Aber da ist immer auch dieser Zwiespalt. Ergebnisse oder Entwicklung? Am besten natürlich beides. Aber das geht nicht immer. Schon gar nicht bei einem so anspruchsvollen Turnier. Wölkhammer weiß früh, dass die Bayern die EM nicht gewinnen werden. "Aber die Erwartungen der Eltern sind immer da. Sonst würden sie den ganzen Aufwand nicht betreiben", sagt der Bayern-Trainer. Vier oder fünf Tage die Woche gehen für den Fußball drauf. "Wir haben oft Erklärungsbedarf, wie die Ausbildung bei uns funktionieren soll und dass bei uns Ergebnisse nicht ganz so wichtig sind. Aber die Eltern wollen erfolgreich sein mit ihrem Sohn. Das ist halt so." Die Bayern legen im Kleinfeld Wert auf das individuelle Spiel. Jeder soll auf verschiedenen Positionen ausgebildet werden. "Die Kinder sollen dribbeln. Unsere Kinder sind sehr lange am Ball. Man merkt bei solchen Turnieren sehr schnell, dass es dann schwierig wird. Man bekommt sofort Druck. Wir glauben aber, dass die Kinder von dieser Ausbildung profitieren werden." Das klingt gut. Die Bayern werden Sechster. Aber mit der Struktur in der Jugendarbeit ist das beim Rekordmeister so eine Sache. Vor zwei Jahren kam der frühere Profi Björn Andersen als Sportdirektor und mit ihm eine neue Struktur. Im Sommer geht er, und es wird wieder etwas Neues kommen. Bei Manchester sieht das mit der Kontinuität anders aus. Oder bei Ajax.

 

"Jedes Land hat seine eigene Spielweise. Bei der Mini-EM sieht man die Fußballkulturen noch pur", sagt Casimir Westerveld. Er ist der Trainer der U11 von Ajax Amsterdam und zuständig für das Jugend-Scouting. Er hat früher selbst in der Jugend von Ajax gespielt. Die Ajax-Schule ist sein Leben. Auch auf dem Kleinfeld mit nur sieben Feldspielern vertrauen die Holländer auf drei Stürmer, auch wenn das dort noch schwieriger ist. "Unsere Spieler müssen hart arbeiten, ihre Positionen sehr exakt halten. Aber wenn wir den Ball haben, ist es unser Vorteil", sagt Westerveld. Drei Stürmer - es ist ein Alleinstellungsmerkmal der Marke Ajax. "Und wenn wir verlieren, verlieren wir in unserem System." Die Kinder sollen bei Ajax lernen, wie man taktisch in eine gute Position kommt und wie man schwierige Situationen löst. Seit Generationen schon. "Wir bestimmen die Grenzen. Aber innerhalb der Grenzen sollen die Jungs so frei wie möglich sein." Die Grenzen bei Ajax sind das Positionsgebiet, der Einflussbereich. "Dort müssen sie zwei Dinge tun: angreifen und verteidigen. Aber wie sie das machen, darin haben sie die größte Freiheit. Wenn Trainer den Kindern Schritt für Schritt sagen, was zu tun ist, dann hat man ein Problem. Dann lernen die Kinder nichts", sagt Westerveld.

 

Der Ajax-Trainer coacht ausgesprochen ruhig. Die Ajax-Kinder sind auffällig entspannt. Auch jenseits des Platzes. Zur wichtigen Partie gegen Milan, das schon spielbereit ist und auf dem Rasen wartet, müssen sie vom Platzsprecher erst ausgerufen werden. Sie kommen auf den Rasen gerannt. Verspätet. Aber sie gewinnen trotzdem. Am Ende siegen sie auch im Finale gegen Zagreb. Selbstbewusst, durch Achtmeterschießen.




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