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AKTUELLES

13.04.2010

Frankenpost: "Mit den Engländern auf Augenhöhe"


Frankenpost, von Sören Göpel. Als Deutscher in England zu weilen, wenn es in der Champions League ernst wird, ist normalerweise kein Spaß. Nach dem Einzug des FC Bayern ins Halbfinale gegen das Starensemble aus Manchester genießt man aber die Schlagzeilen der englische Presse. Natürlich mit Ei, Schinken und Bohnen zum Frühstück. Es wird geschimpft über diese "typical Germans". Die "Sun", die insulanische Form der größten deutschen Boulevard-Zeitung, kocht vor Wut.

 

Richtig interessant wird es aber, wenn am Tag nach dem Bayern-Triumph zwei Jugendteams aus den genannten Ländern ihre Kräfte messen. Das Team Europa der Deutsch-Tschechischen Fußballschule stellt sich im Zuge der einwöchigen Lernreise, die über Brüssel führt, vor. "Die wollen es den Deutschen heute zeigen", vermutet Manager Gerald Prell schon vor dem Spiel. Zwar sind sie in Tottenham, dem noblen Stadtteil im Norden Londons, nicht gerade eng befreundet mit dem Weltklub aus der Arbeiterstadt. Dennoch halten die Briten zusammen, wie normalerweise auch ein Augsburgfan Werder Bremen auf internationaler Bühne die Daumen drückt. Und so, wie es Prell vorhersagt, ist es dann auch.

 

Deutsche Jungs aus Hof, Neuenmarkt und Regensburg, Tschechen aus den Vereinen Sparta Prag und Budweis, um nur einige zu nennen, zeigen Jugendfußall auf europäischem Topniveau. Was die U 11-Teams an Tempo, Passkombinationen und Zweikampfhärte präsentieren, bietet kaum ein deutsches Landesligaspiel der Herren. Robert Kilin, der als Scout für 1860 München viele Jugendspiele sieht, ist begeistert: "Ich wüsste nicht, wann wir mal gegen eine so starke Mannschaft gespielt haben. Dieses Tempo, die Bewegungen mit Ball, das ist schon faszinierend", meint er nach dem Spiel, das 4:2 für den englischen Nachwuchs endet. Erstaunlich, wie gut die Fußballschüler mithalten, obwohl sie in ihren Vereinen weit weniger gute Trainingsbedingungen haben. "Eigentlich müssten wir immer die Bude vollkriegen", scherzte Kilin auf der romantischen Rückreise über den Kanal von Dover. Dem ist aber nicht so, weil er als sportlicher Leiter und Andreas Lang als Trainer des 1999er-Jahrgangs Spieler aus kleinen Vereinen sichten, die mithalten können und die Fußballschule sportlich als Sprungbrett sehen. Natürlich reizen auch die Reisen, wo sie sich mit den Besten in Europa messen können. Und sie sehen, was andere Vereine zu bieten haben.

 

Es kommt schon ein wenig Neid auf, wenn man die englischen Fußball-Academy sieht. Der Tottenham-Nachwuchs trainiert auf Plätzen, die besser verlegt sind als mancher Teppich in englischen Wohnzimmern. Auf dem Weg zum bewachten Jugendareal ragt die riesige Kunstrasenhalle schon von weitem über die Bäume, umringt von Villen mit dem Porsche als Standardausstattung vor der Tür. Dennoch wirkt alles geerdet. Stets freundlich wird gegeneinander gekämpft. Die Briten sind eben so, wie sie Fußball spielen: Hart, aber fair und zuvorkommend.

Bestes Beispiel dafür ist der Ausflug zum Stadion des FC Chelsea. Unangemeldet tauchen die 18 Fußballschüler beim Klub von Michael Ballack auf. Wollen das Stadion eigentlich nur von Außen besichtigen. Prompt läd sie der Wachmann zu einem Rundgang durch die Stamford Bridge ein. Auf der gesamten Reise fällt auf, dass die Deutschen trotz der großen Rivalität zu englischen Teams und den Ereignissen aus der Vergangenheit willkommen sind.

Nur in Brüssel, der ersten Station auf dem Weg nach London, fragen sich die Kinder, ob sie denn nicht willkommen seien. Am Abend besichtigen sie noch die Gebäude der EU, staunen über die schicke bayerische Botschaft und die Glaspaläste in der Innenstadt. Am Morgen vor dem Spiel gegen den RSC Anderlecht dann der Schock. Unbekannte zertrümmern in der Nacht jeweils eine Scheibe der zwei Kleinbusse. Gestohlen wurde nichts.

 

Das mulmige Gefühl ist aber schnell verflogen. Beeindruckend, wie die Mannschaft, die in dieser Zusammensetzung das erste Mal spielte (viele Spieler kannten sich vor der Reise gar nicht) gegen den belgischen Topklub harmoniert und nur knapp mit 4:5 verliert. Für die Trainer und Gerald Prell ist es immer wieder der Beweis dafür, dass Fußball verbindet und die Nationalität egal ist.

 

Die Reise auf die Insel ist anstrengend und teilweise stressig. Für elfjährige Buben eine große Herausforderung. Dennoch sind die Tage für die sportliche und menschliche Entwicklung, die Selbstständigkeit und im Umgang mit einer anderen Kultur sehr wertvoll. Besonders in London, wo so schnell gelebt wird wie die Mannschaften Fußball spielen, vergeht keine Minute ohne Lerneffekt. Und die Kinder wollen das. Vor allem die tschechischen Jungs sehen die Chance zum sozialen Aufstieg. Dafür leben sie manchmal schon wie Erwachsene. Nach der Ankunft in Deutschland in der Nacht zum Samstag fahren sie noch in ihre Heimat. Als sie früh um sieben Uhr ankommen, dauert die Reise durch fünf europäische Länder mittlerweile über 20 Stunden. Am Nachmittag haben sie schon wieder ein Spiel.

 

In einer der kommenden Ausgaben: Der Ausflug zum FC Arsenal London.

 

Foto: Ganzjährig gute Bedingungen: Die Kunstrasenhalle auf dem Trainingsgelände der Tottenham Hotspurs. Weitere Bilder unter www.frankenpost.de (SöGö)




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